Samstag, 17. Juli 2010

Der erste Sieg


Das zweite Schweizer Spiel war später angesetzt als das erste. Face-off war um 12.oo, weshalb erst um 9.00 gefrühstückt wurde. Wieder bekundeten die Schweizer Spieler überhaupt keine Mühe sich für das Spiel heiss zu machen, und es klappte sogar dies in einen aggressiven Start umzumünzen. Das Schweizer Team geriet im Verlauf des Spiels nie in Rückstand, führte aber meistens nur mit zwei oder drei Toren, was im Lacrosse kein grosses Polster ist. Mit guter Laufarbeit und einer soliden Mannschaftsleistung sowohl in der Offensive, wie auch in der Defensive, gelang es den historisch wichtigen ersten Sieg an einer Weltmeisterschaft zu erringen. Zum Schluss stand auf der Anzeigetafel: Schweiz 10, Südkorea 6. Die Tore für die Schweiz schossen Rafael Buchli (1), Dominik Kaiser (1), Emanuel Moser (1), Luke Bame (1), Michael Hebing (2), Oliver Kannape (2) und Ian Schoch (2). Es war der Mannschaft eine Freude Michael Haller dieses Geschenk zu seinem Geburtstag zu machen.


Leider hatte auch an diesem Tag der Kameramann seinen Job nicht gemacht. Anstatt wie beim letzten Spiel nur eine DVD mit einem halben Spiel abzuliefern, hatte es der Kameramann dieses Mal versäumt überhaupt das Spiel aufzunehmen. Entsprechend gab es für die Spieler nach dem Mittagessen auch kein Filmstudium und sie konnten sich getrost anderen Tätigkeiten zuwenden.

Deren gibt es aber zum Glück genug an einer Weltmeisterschaft. Der wohl beliebteste Zeitvertriebt ist das Betrachten von Blue Division Spielen. Heute standen zum Beispiel England vs. Australien und USA vs. Kanada an. Besonders die zweite Paarung vermochte die Ränge des Stadions beinahe zu füllen, denn bis jetzt hatte noch fast jedes Finale an einer Lacrosse Weltmeisterschaft USA gegen Kanada geheissen. Das Spiel war spektakulär und bis zum Schluss eng. Am Ende konnten jedoch die Titelverteidiger aus Kanada das bessere Ende für sich behalten und gewannen mit 10:9. Rückblickend auf die letzte Weltmeisterschat war die Ausgangslage genau umgekehrt. Damals gelang es den USA das Gruppenspiel mit einem Tor unterschied zu gewinnen. Ob man daraus eine Vorhersage für das Finale ziehen kann ist fraglich. Was aber sicher zu sein scheint, ist, dass beide Mannschaften etwa ähnlich stark sind deshalb alles noch offen ist. Mal schauen welche Mannschaft die richtigen Schlüsse aus diesem Spiel zieht.



Freitag, 16. Juli 2010

Erster Rückschlag

Die Schweiz hat heute ihr erstes Gruppenspiel um 8.30 gegen die Slowakei gespielt. Obwohl alle vor dem Spiel heiss waren, hat sich diese Energie nicht ganz ins Spiel übertragen lassen. Besondere Mühe bereitete der Schweizer Offense der 3-time All-American Torhüter (Havalchak) der Slowaken. Dieser war in der Lage auch Schüsse aus den aussichtsreichsten Positionen zu stoppen. Das ist wohl auch der Grund wieso er in der ersten Runde für die MLL gedraftet wurde. Defensiv haben die Schweizer gleichzeitig zu viele einfache Tore zugelassen. Unnötige Ballverluste sorgten auch dafür das die Slowaken gefährlich viel Ballbesitz hatten. Das Endresultat von 4:10 widerspiegelt nicht unbedingt die tatsächlichen Kräfteverhältnisse, denn ein paar Schweizer Tore mehr hätten durchaus drin gelegen. Die Tore für die Schweizer schossen Tobias Burger (1), Luke Bame (1) und Ian Schoch (2).


Schon am Nachmittag stand das Videostudium des Spiels statt. Leider fiel während der Hälfte des Spiels die Kamera aus, was dazu führte, dass die ersten Tore der Schweizer an einer Lacrosse Weltmeisterschaft nicht auf Film gebannt worden sind. Dennoch bot der Film genügend Sequenzen, welche bei den Spielern für Gelächter oder Kopfschütteln sorgten. Danach wurde erst einmal gegessen, um gestärkt bei anderen Spielen, wie USA vs. Japan, die Ränge des Stadions füllen zu können.

Es ist immer wieder erstaunlich wie nahe sich die Athleten der verschiedensten Nationen während einer solchen Weltmeisterschaft kommen können. Mit Sicherheit hat jeder Schweizer Spieler schon jetzt einige unvergessliche Geschichten auf lager. Nur als Beispiel: Ich habe meinen Ersatzstock neu gestringt, als gerade Geoff Snider vom team Canada vorbei kam und mir anbot meine Stick für mich zu richten. Ich kann nur sagen, jetzt wirft der Stick 1A.

Leider ist auch noch die Geschichte mit den Iroquois hängig. In einem Mail hat heute Ron Balls, ein Offizieller des Englischen Lacrosse Verbandes, erklärt, dass auf Grund der ungewissen Situation der Iroquois die Deutschen nun offiziell in der Blauen Division eingeteilt sind und den Platz mit den Iroquios tauschen. D.h. die Haudenosaunee Vertreter sind nun in der Plum Division eingeteilt und habe heute schon wieder forfait verloren, dieses Mal gegen die Spanier.


Hier kann man den kurzen Bericht von Inside Lacrosse über die Schweizer Nationalmannschaft lesen, sowie alle anderen Nationen in der Orange Division. Auf dieser Seite kann man die Statistiken der Schweizer mitverfolgen.


Morgen steht das Spiel gegen die eher kleingewachsenen, aber dafür umso flinkeren, Südkoreaner an. Ersten Scoutingberichten zu folge, haben die Koreaner einer sehr starken FOGO (face-off, get off) sowie einen Midfielder der bei Cornell DI gespielt hat. Obwohl für die Schweizer das gesteckte Ziel durchaus noch drin liegt, werden die nächsten Spiele nicht einfacher.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Panta Rhei

Es ist getan. Die Spiele sind formell eröffnet. Am heutigen Tag fand die Eröffnungszeremonie mit dem Einmarsch aller teilnehmenden Nationen statt. Leider waren aber von den Iroquois nur sechs Vertreter anwesend. Die Iroquois Affäre hat zu einigen Änderungen im Spielplan geführt, denn schon für das Eröffnungsspiel waren sie nicht anwesend. Als Ersatz wurde zunächst ein Exibitionsspiel der Deutschen gegen die Engländer angekündigt. Später hiess es sogar die Deutschen hätten den Platz der Irokesen in der Blauen Division eingenommen, und das Spiel sei gleichsam das erste Gruppenspiel. Inside Lacrosse zitiert AP News mit der Nachricht, dass die Irokesen gar nicht teilnehmen werden. Das ist natürlich äusserst bedauerlich, da sich alle Anwesenden auf eine Teilnahme der Irokesen gefreut hatten.


Noch vor der Eröffnungszeremonie konnten die Schweizer ein gemeinsames Training mit den Deutschen absolvieren. Es wurde der Fokus auf einzelne Elemente des Spiels gelegt (Rides, Clears, Man UP, Man Down, Spielzüge,etc.), anstatt gleich ein Scrimmage zu spielen. Die Schweizer zeigten eine sehr gute Trainingsleistung und konnten teilweise mit den überlegenen Deutschen gut mithalten.

Ich werde diesen Blog sehr kurz halten, denn morgen um 6:00 steht das Frühstück auf dem Terminplan und schon um 8:30 wird die Schweizer Nationalmannschaft ein ganz entscheidendes erstes Spiel gegen die Slowakei bestreiten. Es ist der nominell schwächste Gegner in der Gruppe und ein gutes Abschneiden hängt von einem Sieg in diesem Spiel ab.

Hopp Schwiiz!

Mittwoch, 14. Juli 2010

Aller guten Dinge sind drei?

Zunächst möchte ich auf die Aktivitäten der Schweizer Lacrosser eingehen, bevor ich zwei der gestern angesprochenen Themen wieder aufnehme.

Da morgen schon das Turnier offiziell anfängt haben heute schon einige Sitzungen der Organisatoren mit den Coaches, der FIL Delegierten mit dem Verbandsvorstand und der Mannschaftsvertreter mit dem Bürgermeister der Stadt Manchester stattgefunden. Einerseits mussten wichtige technische und logistische Details geklärt oder kommuniziert werde, und andererseits musste aber auch das angemessene Zeremoniell berücksichtigt werden.


Parallel dazu haben die Schweizer ihr obligates morgendliches Training absolviert, um anschliessend nach dem Mittagessen wieder Theorie zu büffeln. Damit sollte die Mannschaft gerüstet sein um gegen die Dänen in einem Freundschaftsspiel, welches am Nachmittag durchgeführt werden sollte, zu bestehen. Leider erlaubten sich die Schweizer trotz guter Trainingsleistungen im Spiel zu viele Fehler in der Offensive, was zu einer schwachen Torausbeute und schliesslich zur Niederlage führte. Coach Kee Joe Song bleibt dennoch optimistisch, denn er meint alle gemachten Fehler seien einfach zu korrigieren. Das abendliche Filmstudium des Spieles wurde zu Gunsten des Freundschaftsspieles Deutschland vs. Australien auf das Programm für morgen verschoben.

Nun noch kurz eine Bemerkung zu den Iroquois. Scheinbar hat zwar die amerikanische Regierung den Spielern mittels einer einmaligen Verfügung erlaubt mit ihren Haudenosaunee Pässen wieder einzureisen, aber die englischen Behörden haben so lange mit den Visen zugewartet, dass der angestrebte Flug um 4 Uhr verpasst wurde. Es muss also ein neuerlicher Versuch gestartet werden und die Frage ob das Eröffnungsspiel verschoben werden muss oder forfait verloren gehen wird, bleibt noch zu beantworten. (Artikel)

Weshalb ist wurde Manchester als Austragungsort gewählt? Das Lacrosse-Feuer wurde schon 1875 in Stockport, nahe Manchester, von einem Kanadischen Funken entzündet. Damals hat der Montreal Club auf dem Feld des Old Trafford Cricket Ground gegen die Caughnawaga Indianer ein Exhibitionsspiel gespielt. Seitdem ist Manchester das Zentrum des Englischen Lacrosses. Es gibt allein in der Stadt 20 Clubs, doppelt so viele wie zur Zeit in der ganzen Schweiz. Ausserdem wurden schon 1978 und 1994 Lacrosse Weltmeisterschaften ausgetragen. Bis jetzt haben immer die Amerikaner den Titel geholt, ausser 1978 in Manchester und 2006 in London, Ontario als sie gegen die Kanadier verloren. Dieses Jahr sind die Kanadier also nicht nur Titelverteidiger, sondern sie treten an einem Ort an, wo sie die US-boys schon mal geschlagen haben. Vorausgesetzt das Finale heisst überhaupt USA vs. Canada...

(Ein Lacrossespiel in Manchester um 1938)

Dienstag, 13. Juli 2010

Ein politisches Statement

Mittlerweile ist es Dienstagabend und nur noch zwei Tage trennen uns vom Eröffnungsspiel England vs. Iroquois Nation, es spielt also der Gastgeber der Weltmeisterschaften gegen den "Erfinder" des Spiels. Die Schweizer Nationalmannschaft hat auch heute zwei Trainingseinheiten absolviert. Am Morgen wurden vor allem die Spielzüge der Offensive der neuen Zonen-Verteidigung der Defense gegenübergestellt. Am Nachmittag galt der Fokus einigen Wechselvarianten, sowie der individuellen Sicherheit am Stock. Mit jedem Training sind weitere Fortschritte erkennbar, sowohl im Spielerischen wie auch beim Mannschaftsgeist.


In der Zwischenzeit sind auch schon fast alle Mannschaften in Manchester angekommen. Aber gerade die Eingangs erwähnten Iroquois Nationals haben für viel Gesprächsstoff gesorgt. Seit den 70er Jahren reisen die nordamerikanischen Ureinwohner mit Pässen der Haudenosaunee ("das Volk der Langhäuser") Konföderation an alle grossen internationalen Turniere. Mittlerweile haben sich aber die gesetzlichen Bestimmungen so verändert, dass diese Pässe weder von den britischen noch von den US-amerikanischen Behörden akzeptiert werden, was die Ausreise der Nationalmannschaft bis heute verunmöglicht hat. Während also die Mannschaft in New York festsitzt und auf dem Gelände des Wagner College trainiert, fragen sich die Organisatoren der Weltmeisterschaften, ob das Eröffnungsspiel überhaupt wie geplant durchgeführt werden kann. Einer der Spieler sagt sogar aus lieber gar nicht zu spielen, als mit seinem amerikanischen Pass nach England zu reisen. CBS News hat dazu einen ausführlichen Artikel geschrieben.

Diejenigen Lacrosse-Interessierten, welche die Spiele auf dem Stadium Pitch live betrachten wollen, können sich hier einen Pass lösen um die Videos per Stream oder später auch als Download zu beziehen. Leider werden vor allem die Spiele der Blauen Division übertragen, was heisst, das die Spiele der Schweizer Nationalmannschaft nicht zu sehen sein werden. Im morgigen Eintrag soll unter anderem beleuchtet werden weshalb gerade Manchester eine naheliegende Wahl als Austragungsort war.

Montag, 12. Juli 2010

Ankunft und erstes Freundschaftsspiel

Sonntag, 11. Juli


Während einzelne Spieler schon am Samstag nach Manchester gereist waren, sind die meisten erst am Sonntag geflogen. Nach einem etwas holprigen Flug und einer kurzen Taxifahrt wurde der Fallowfield Campus erreicht, wonach die Spieler in Einzelzimmer im Tower einquartiert wurden. Im Gegensatz zu einem anderen berühmten Tower in England, bietet der Owen Tower recht komfortable Zimmer mit einer schönen Aussicht (ohne Gitterstäbe) und ist die offizielle Herberge der Nationalmannschaften während dem Turnier. Die Schweizer Mannschaft hält die Stockwerke 14 und 15 besetzt. Vom Turm aus braucht man kaum zwei Minuten zu Fuss um zur nächsten Kantine zu gelangen und nur einige wenige Minuten mehr um zu den Spiel- und Trainingsfeldern zu gelangen.


Am Sonntagnachmittag stand denn auch das erste Training auf Platz 1 an. Dabei wurde neben den grundlegenden Stockfertigkeiten ein besonderes Augenmerk auf das Transitionspiel gelegt, d.h. dem Wechsel von der Verteidigung in den Angriff, bzw. das Überbrücken des Mittelfeldes. Danach wurde das Überzahlspiel eingeübt, um das Training schliesslich mit den einstudierten Spielzügen abzuschliessen. Die Aktivitäten der Mannschaft wurden vom Team Liason Officer der Schweizer Mannschaft, Dick Anderton, überwacht. Dieser stellt das Verbindungsglied zwischen der Nationalmannschaft und der Turnierorganisation dar und ist selber Vater eines Spielers der Englischen Nationalmannschaft.

Der Sonntagabend stand natürlich ganz im Zeichen des Fussballs, denn das WM Finale zwischen Holland und Spanien stand auf dem Programm. Um sich diese andere Ballsportart zu Gemüte zu führen, fanden sich die Spieler im Queen of Hearts ein, einem Pub wenige hundert Meter vom Campus entfernt.


Montag, 12. Juli


Die erste Trainingseinheit am Montag begann um 8.15 und diente in erster Linien zum Aufwärmen und als Vorbereitung für das um 9.00 angesetzte Freundschaftsspiel zwischen der Schweizer Mannschaft und der Polnischen Nationalmannschaft. Im darauf folgenden Spiel starteten die Schweizer noch etwas gehemmt, insbesondere, da sie Mühe bekundeten die starken polnischen Offensivspieler mit "Nordamerikanischer Spielerfahrung" in Schach zu halten. In den zwei letzten Quarters gelang der Schweizer Mannschaft aber eine merkliche Steigerung der Leistung, was schliesslich zu einer äusserts knappen Niederlage führte. Trotz dieser Niederlage hat die Mannschaft auch viel gewonnen und kann weiter auf der gezeigten Leistung aufbauen.

Nach dem Mittagessen fanden sich die Spieler in eines der Gemeinschaftsräume ein um Theorie zu büffeln. Die Probleme im Spiel gegen Polen wurden analysiert und Spielzüge nochmals durchgegangen, wobei auch einzelne neue Plays eingeführt wurden. Um diese taktischen Mittel zu festigen, fand eine weitere, leichte Trainingssession während zweier Stunden in einem nahe gelegenen Park statt.

Nach dem gemeinsamen Nachtessen konnten die Spieler frei verfügen. Während sich einzelne dazu entschlossen die Stadt Manchester unsicher zu machen, hat sich ein grosser Teil der Spieler im Stadion eingefunden um das Freundschaftsspiel zwischen Schottland und Australien, eines der Teams aus der blauen Division, zu begutachten. Australien trat erwartungsgemäss dominant auf und die anwesenden Schweizer konnten bald erkennen weshalb Lacrosse teilweise als schnellste Sportart auf zwei Beinen bezeichnet wird.