Dienstag, 27. Juli 2010

Finaltag

Am letzten Tag des Turniers standen noch drei Begegnungen auf dem Program: England vs. Deutschland (um den 5. Platz), Australien vs. Japan (um den 3. Platz) und die altbekannte Finalpaarung USA vs. Canada.

Das Spiel England vs. Deutschland war die Paarung des Eröffnungsspiels, welches von den Engländern 12:3 gewonnen werden konnte. Die Deutschen hatten sich im Verlaufe des Turniers, trotz teilweise hoher Niederlagen (nur ein Sieg gegen die Niederlande (14:1)), offensichtlich gesteigert und lieferten einen guten Kampf. Das Endergebnis betrugt 14:9 für die Engländer.

Die zweite Begegnung des Tages versprach zwar viel, es stellte sich aber heraus, dass Australien vs. Japan kein Ersatz für Australien vs. Iroquois Nationals war. Die technisch zwar starken, aber körperlich ganz offensichtlich unterlegenen Japaner vermochten das Spiel zu keinem Zeitpunkt eng zu gestalten. Nach einer knappen halben Stunde stand es 6:0 und kurz vor der Halbzeit sogar 9:1. Die Japaner vermochten sich zu steigern, vielleicht gingen es die Australier aber auch nicht mehr voll an, denn von der 60. Minute an konnten die Spieler aus dem Land der aufgehenden Sonne schon fast dominieren. Dies reichte jedoch höchstens für eine Ergebnisverschönerung. Am Ende gewannen die Australier verdient 16:9 und sicherten sich damit die Bronzemedallie.

Das Finale zwischen Kanada und den USA versprach ein Kracher zu werden. Schon in der Gruppenphase hatte diese Paarung das Stadion gefüllt. Das Gruppenspiel hatten die Titelverteidiger aus Kanada noch knapp für sich entscheiden können (10:9). Die Erfahrung zeigt aber, dass diese Mannschaften sich häufig zu ebenbürtig sind und eine Prognose unmöglich ist.


Das Spiel verlief wie erwartet auf extrem hohen Niveau. Der amerikanische Torhüter zeigte einige aussergewöhnliche Saves, welche in Kombination mit den Toren von Superstar Paul Rabil für eine Führung in der ersten Halbzeit reichten (5:8). Das dritte Quarter gehörte aber den Kanadiern um John Grant Junior, Chris Sanderson und Kevin Huntley, welchem sogar der Ausgleich zum Quarterende (8:8) gelang.

Es war also wieder alles offen für das letzte Quarter. In diesem Quarter kam aber auch die Stunde des bisher eher enttäuschenden Ned Crotty, welcher nicht nur die Zwischenzeitliche Führung der Kanadier wettmachte, sondern wenige Minuten später die Amerikaner wieder in Front brachte (10:11). Diese Führung sollten die Amerikaner nicht mehr hergeben und als die Kanadier am Ende noch ihren Torhüter herausnahmen, um mehr Druck auf die ballführenden Amerikaner ausüben zu können, konnte Mike Leveille zum entscheidenden 10:12 einlochen.


Alles in Allem war das Finale so spannend wie erhofft. Einzig das nicht ganz gefüllte Stadion trübte den Finaltag ein wenig. Nach dem Finale wurden noch einige Awards verteilt, und das All-World Team bekannt gegeben. Bemerkenswert ist hier vorallem, dass Chris Sanderson, der kanadische Torhüter zum dritten Mal in Folge zum besten Torhüter des Turniers gewählt wurde. Der MVP-Award ging an den Amerikaner Paul Rabil. Den Spirit of Lacrosse Award für die Schweiz gewann Ian Schoch. Diese Auszeichnung würdigt das aussergewöhnliche Engagement Einzelner für Lacrosse in ihrem jeweiligen Land.


Nach dem Finale fand ein weiteres Lacrosse-spezifisches Zeremoniel seinen Höhepunkt. Obwohl schon in den Tagen zuvor Material getauscht wurde, wollten nun alle ihre Nationalmannschaftskleidung gegen möglichst coole Ware aus anderen Ländern tauschen. Das führte dazu, das zuerst auf dem Turniergelände und später vor den Wohnungen der Amerikaner und Kanadier wahre Tauschbörsen entstanden. Schon während dem Turnier fallen gewisse Kleidungsstücke schnell auf und erhalten einen hohen Tauschwert. Ein solches Stück war die Schweizer Trainerjacke, dessen Angebot zusätzlich dadurch verknappt wurde, dass nur wenige Schweizer bereit waren sie überhaupt herzugeben. Diejenigen die es taten konnten sich sicher sein ebenfalls an rare und begehrte Stücke zu gelangen.

Am Abend fand noch eine informelle Party im Squirrels auf dem Gelände der Universität statt, welche aber für die meisten nur zum Aufwärmen genutzt wurde. Das wahre Fest fand im Tiger Tiger statt. Die Feierlichkeiten dauerten für den Einzelnen unterschiedlich lange, denn einige mussten schon am Morgen früh abreisen. Andere konnten bis zur Schliessung des Klubs durchfeiern.

Brillianter Shutout

Das letzte Spiel der Schweizer war geprägt von vielen Strafen und von der unglaublichen Leistung des Schweizer Torhüters Jonas Bertsch. Diesem gelangen 15 Saves, was 100% der Schüsse auf sein Tor entspricht. Mit einem solchen Rückhalt konnten es sich die Schweizer erlauben in der ersten Halbzeit nur ein Tor, und in der zweiten nur zwei zu schiessen. Dabei verzeichneten die Turnierstatistiker nur 4 Schweizer Schüsse, welche auch aufs Tor gingen. Das heisst ein Schuss pro Quarter, oder aber eine Auswertung von 75%. Erwähnenswert ist wohl das im ganzen Turnier einzige von den Schiedsrichtern aberkannte Tor. Dazu später mehr.


In der ersten Halbzeit gibt es wenig Erwähnenswertes. Ausser, dass die Schweizer schon nach 3 Minuten in Unterzahl spielen mussten und gegen Ende des ersten Quarters zwei Mal eine doppelte Überzahl der Norweger zu überstehen wussten. Die hohe Anzahl an Strafminuten ist nicht zwingend als Zeichen eines umkämpften und harten Spiels zu lesen. Das Spiel war nicht härter als die anderen Begegnungen. Entsprechend kommt nur die Arbeitsweise der Schiedsrichter als Begründung in Frage. Tatsächlich scheinen die Unparteiischen das Spiel wie ein Juniorenspiel gepfiffen zu haben. Möglicherweise hatten sie sich abgesprochen und wollten in dieser späten Phase des Turniers jegliche unnötigen Unfälle vermeiden. Ach ja, Luke Bame gelang es doch noch ein Tor knapp vor dem Ende der ersten Halbzeit zu schiessen.

Die zweite Halbzeit schien anfangs noch anders zu verlaufen, als Ian Schoch schon kurz nach Wiederanpfiff das zweite Tor der Schweizer markieren konnte. Leider blieb die Begegnung genau so harzig wie in der ersten Halbzeit und es wurden weiterhin fleissig Strafminuten gesammelt. Eine Strafe es besonders erwähnenswert, weil sie durch ein Tor ausgelöst wurde. Patrick Schär gelang nach 65 Minuten im letzten Spiel sein erstes Tor, wonach der Norwegische Coach einen Stick Check verlangte. Obwohl die Materialüberprüfung von der Schweizer Bank aus nicht sehr professionell wirkte, waren sich die Schiedsrichter nach einigem Gefuchtel und Gewende sicher, dass der Stock des Torschützen nicht regelkonform sein konnte. Es resultierten eine Ergebniskorrektur (Tor aberkannt) und eine lange persönliche Strafe (3 Minuten). Zum Schluss bemühten sich die Schweizer den Ball einfach noch zu halten und ein allfälliges Gegentor zu verhindern, was einzelne Norweger offenbar derart frustrierte, dass einer sogar nach Spielschluss (80. Minute) eine Strafe für unnötige Härte kassierte.

Nach dem Spiel wussten die Schweizer den Sieg und sich selber ausgiebig zu feiern. Dominik Kaiser wurde noch von Inside Lacrosse interviewt. Am Abend trafen sich die Mannschaft und Fans zu einem Essen im Old Orleans in Zentrum von Manchester, welches dank der finanziellen Übersicht von Niklas Kukat zur Gänze aus der Mannschaftskasse bezahlt werden konnte. Danach wurde der Klub Pure besucht, wobei bei den Sicherheitskontrollen beim Eingang nur der Körperscanner fehlte um die Ausrüstung einer Flughafensicherheitskontrolle zu kompletieren. Im Wissen, dass am nächsten Tag nur noch die letzten Positionierungsspiele (insbesondere aber grosses und kleines Finale) anstanden, feierten die Schweizer bis zum Morgengrauen.




Verkehrte Welt

In der zweiten Begegnung zwischen der Schweiz und Hong Kong an den Weltmeisterschaften in Manchester erlebten die Swiss Boys wohl ihr schwächstes Spiel. Viel Neuerlentes, aber auch Altbekanntes ging während dem Spiel einfach vergessen. Eine gewisse Rolle wird auch die noch nicht ganz verdaute knappe Niederlage gegen Italien gespielt haben.

Im ersten Spiel war der Schweiz noch eine frühe Führung gelungen. In diesem Spiel ereignete sich genau das umgekehrte. Nach 10 Minuten stand es 3:0 für Hong Kong. Obwohl die Schweizer nach einer Man Up Situation erstmals ein Tor notieren konnten, bremste dieses den Fall der Schweizer nicht. Bis zur Halbzeit folgten 7 weitere, unbeantwortete Tore der Hong Kong Chinesen.

Es folgte die Halbzeit in der sich die Schweizer noch ein wenig zusammenraufen konnten. Das Ergebnis war die stärkste Phase im Schweizer Spiel, denn es resultierten 5 unbeantwortete Schweizer Tore. Zu diesem Zeitpunkt stand es also 10:6 für Hong Kong. Das Schweizer Team vermochte aber das Tempo des Zwischenspurts nicht zu halten und verloren schliesslich noch das letzte Viertel knapp, was zum unerfreulichen und unnötig hohen Endergebnis von 15:8 führte. Die Tore für die Schweiz schossen: Michael Plüss (1), Ian Schoch (1), Lucas Bame (2), Dominik Kaiser (2) und Emanuel Moser (2).

Nach diesem neuerlichen Tiefschlag trafen die Coaches die weise Entscheidung der Mannschaft für den Rest des Tages frei zu geben. Die Spieler nutzen die Zeit um das Erlebte zu verdauen, um sich dann nach dem gemeinsamen Nachtessen in einer von den Mannschaftskapitänen anberaumten Sitzung auszusprechen. Dabei ging es nicht nur um die letzten zwei Spiele, sondern auch allgemein um das Erlebnis Weltmeisterschaften, im Guten wie auch im Schlechten. Dabei kam heraus, dass viele die Mannschaft selbst als positivsten Punkt des ganzen Turniers herausstrichen.

Hoffentlich genügt diese Erkenntnis um im letzten Spiel noch einen Sieg gegen die Norweger davon zu tragen. Diese sind ihren Ergebnissen nach ähnlich stark einzuschätzen wie die Schweizer.